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Ein Monumentalwerk des 19. Jahrhunderts |
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Geschrieben von Eckart Menzler-Trott
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13.12.2005 |
 | Jean Marc Bourgery und Nicolas Henri Jacob, Atlas der Anatomie und Chirurgie. Mit farbigen Lithographien von 1831-1854. Acht Bände mit 725 zum Teil ausklappbaren Tafeln und 3750 Einzelabbildungen. Reprint bearbeitet von Jean-Marie Le Minor und Henri Sick. Köln: Taschen Verlag 2005. 714 Seiten (XXL-Format: 30 cm x 41 cm). € 150.- Das großartige systematische Werk gliedert sich in 8 Bände: 1): Knochen, Gelenke und Bänder, 2) Muskeln, Sehnen und Faszien 3) Zentrales, peripheres und vegetatives Nervensystem, Sinnesorgane 4) Herz, Arterien, Venen, Lymphsystem 5) Baucheingeweide 6) Chirurgische Anatomie, chirurgische Techniken 7) Chirurgische Anatomie, chirurgische Techniken 8) Embryologie, Vergleichende Anatomie, Mikroskopische Anatomie. Hinzu kommen Einleitung, Index und Bibliographie.
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Bourgery wollte mit seinem Tafelatlas nicht eine Enzyklopädie morphologischer Betrachtungen liefern, sondern hoffte zeigen zu können, „wie die Kenntnis des Organismus als Grundlage für die Ethik, die Rechtswissenschaft und die Volkswirtschaft dienen sollte.“ Das Monumentalwerk zeigt Tafeln, wo der Mensch „nach der Natur“ abgebildet ist. Aber machen das die „Körperbilder“ von plastinierten Menschen nicht inzwischen besser? Nein. Zum ersten ist der anatomische Atlas ein Hauptwerk für die Medizingeschichte. Es werden nämlich zum einen auch die chirurgischen Instrumente vorgestellt und die Prinzipien und Organisation dargestellt, wie zu operieren ist. Und zum anderen ist die Wirkung auf den Betrachter völlig anders. Die farbigen Lithographien, auch die zur Operationslehre, haben einen ästhetischen und künstlerischen Wert. Die Illustrationen vermögen es in der Distanz zum Abgebildeten einerseits unsere Neugier und ästhetischen Sinn zu befriedigen, aber andererseits lassen sie in uns eine Art Ehrfurcht vor dem menschlichen Geschöpf hochsteigen. Wir können genau hinsehen, ohne uns als Voyeur fühlen zu müssen, so daß die Würde des Abgebildeten gewahrt bleibt. Und wir sehen die Kompliziertheit der menschlichen Physis. Zum dritten können wir aber auch gewisse Tafeln als perfekte Allegorien der „vanitas“, der Vergänglichkeit aller menschlicher Existenz sehen. Deshalb ist das Buch auch nicht allein ein Geschenk an Mediziner und Künstler, sondern sollte von jedem wenigstens einmal im Leben angesehen werden. |