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Tengenenge - Teil 3: Soottie, der Kater - Tengenenge als Kinderbuch PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Bernhard Raestrup   
04.10.2008

Image  „Soottie der Kater in Tengenenge“ ist ein spannendes Buch für Kinder, das das Leben, die Arbeit und die Kunst der Steinbildhauer-Gemeinschaft in Tengengenge, in Zimbabwe in Afrika vorstellt. Ich habe als Übersetzer und Illustrator das seltene Glück, gemeinsam mit der Autorin, Celia Winter-Irving, an der Endfassung des Buches arbeiten zu können, denn sie lebt derzeit bei mir. Gleichzeitig bereiten wir Schulprojekte vor, in denen wir Soottie, um die „Shona-Art“ und Afrika im allgemeinen Schülern und Schülerinnen näher zu bringen. Das Besondere aber ist: Soottie ist eines der wenigen Kinderbücher seit langer Zeit, das Kinder in Kunst einführt.


Image Ich lernte Celia Winter-Irving zu Pfingsten 2006 auf dem Shona Art Festival in Witten kennen, als sie dort ihre Bücher zur Kunst in Zimbabwe vorstellte. Sie lebte damals bereits mehr als 20 Jahre in Zimbabwe und lange Zeit davon in Tengenenge, dem Ursprungsort dieser neuen Kunstbewegung. Eines ihrer Bücher war die englischsprachige und niederländische Version eines Kinderbuches, „Soottie the Cat at Tengenenge“, das mich neben ihren weiteren Publikationen anzog, weil es spielerisch ein Verständnis für die Kunst Tengenenges, der Shona Art vermittelt.

Ich kaufte das Buch und versprach ihr, es zu lesen und am nächsten Tag zurück zu kommen um mit ihr und Tom Blomefield, der damals auch anwesend war, ein Interviews zu führen. Als ich abends das Buch las, faszinierte es mich sofort und ich bot ihr während des Interviews  mit ihr und Tom Blomefield am nächsten Tag an, das Buch ins Deutsche zu übersetzen und es zu illustrieren.

Inzwischen sind mehr als zwei Jahre vergangen, aber die Übersetzung ist beendet und Celia lebt derzeit in der kleinen Community auf dem Essener Bauernhof, in dem ich lebe und wir arbeiten seit 4 Wochen zusammen um unter anderem die Übersetzung zu beenden. Während wir einerseits über meine Übersetzungsprobleme reden, schaut sie mir zu, wie im Garten die neuen Illustrationen entstehen und wir planen Projekte mit Schulen.

Je mehr ich daran arbeite, desto mehr fasziniert mich „Soottie the Cat at Tengenenge“. Celia ist Katzenliebhaberin und sie nahm ihre Galeriekatze Soottie von Australien mit nach Afrika, in die Künstlergemeinschaft in Tengenenge und war davon fasziniert, wie schnell sich dieser Kater an das Leben im Busch anpasste.
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Celia mit Katzen auf unserer Wiese

Sie schrieb 2000 ein kurzes Kapitel über Soottie, das in der Wochendausgabe einer Zeitung veröffentlicht wurde und einen Ansturm an Anrufen in der Redaktion auslöste: Mehr davon. So setzte sie sich hin und schrieb von Oktober 2000 bis Frühjahr 2001 wöchentlich jeweils ein Kapitel über den Kater Soottie für die Kinderseite.
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Tom Blomefield

Aufgrund der Veröffentlichungsform in einer wöchentlichen Kolumne handelt es sich um eine  abgeschlossene Geschichte, deren Vorlauf sie jedoch immer recht kurz wiederholt, so dass jedes Kapitel dieser Geschichte auch für sich gelesen oder vorgelesen werden kann.

Dieses Buch elektrisierte mich, weil es Kindern als auch Erwachsenen die Geschichte und die Gegenwart der Tengenenge-Künstlergemeinschaft in Zimbabwe in einer spannenden Geschichte vermittelt – und darüber hinaus Kindern die Möglichkeiten ihres eigenen Wachstums durch Neugierde und Ausprobieren –allerdings auch dessen Grenzen vermittelt.

Die Geschichte ist kurz erzählt:

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Dorfszene

Soottie, ein verwöhnter australischer Galerie-Kater, der niemals auch nur eine andere Katze kennen gelernt hat, zieht mit der Autorin – Celia Winter-Irving -  nach Tengenenge in Zimbabwe, um dort ein neues Leben zu beginnen. Dort entdeckt er eine neue fremde Welt und seine Abenteuer schildern die Gemeinschaft in Tengenenge, einem Ort, in dem viele Menschen aus vielen Ländern zusammen leben, aber auch seine Erfahrungen mit einem Ort, in dem es vieles zu entdecken gibt – die Bäume und die Vögel und Mäuse bis hin zu den Bergen des Great Dyke – und nicht zuletzt die Kunst der Community – der Shona Art.

Soottie lernt, wie man einen Computer bedient und verdient seine Mäuse und seine Milch durch Mithilfe bei der Buchhaltung. Soottie lernt, wie man sich mit Autos und Fahrrädern fortbewegt, er lernt, wie vorsichtig man sich im Busch und auf den Bergen zu bewegen hat und wird schließlich auch noch der erste Kater der Welt, der Steinplastiken meißelt. Und im letzten Kapitel heirat er sogar seine Katzenfreundin, die geliebte Woottnette.

Das Buch geht aber weit über eine reine Erlebnisgeschichte hinaus, denn es führt Kinder in das Leben im südlichen Afrika ein, erzählt von der Kolonialgeschichte des ehemaligen Rhodesiens und gibt auch ein Gefühl für die alltäglichen Probleme im afrikanischen Busch, wo es nicht selbstverständlich ist, fließendes Wasser zu haben und auch der Arzt nicht um die nächste Ecke wohnt.
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Die Brunneneinweihung

„Soottie, der Kater in Tengenenge“ beschreibt die positive Vision Tengenenges als eines Ortes der Toleranz und des ökonomischen und sozialen Zusammenhaltes in einer Gemeinschaft aus vielen verschiedenen Religionen, Nationen und Kulturen. Eine weitere Botschaft richtet sich an die Kinder, Selbstvertrauen zu entwickeln oder zu bewahren und neugierig die Welt zu erobern, Ängste vor dem Unbekannten zu überwinden und Neues zu lernen – allerdings auch die Grenzen des eigenen Könnens und Wollens zu erkennen, denn Soottie lehnt auch Lernangebote ab – so weigert er sich z.B. das Fliegen eines Flugzeuges zu erlernen.
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Weihnachten in Tengenenge

Das Buch trägt auch eine Botschaft der Liebe zu anderen, zur Welt und zu sich selbst. Und immer wieder ist vom Glauben an einen oder viele Götter die Rede und wie wichtig es ist, den Glauben oder Nichtglauben der anderen zu respektieren.

Das Bemerkenswerteste an diesem Kinderbuch ist für mich, dass es die Zielgruppe, Schulkinder zwischen acht und 12 Jahren, in die Steinbildhauerkunst der Shona-Art einführt. Der Herstellungsprozess einer Steinplastik vom Abbau der Steine in den Bergen des Großen Dyke, des Transportes in das Dorf und dort der Bearbeitung der Steine zu Kunstwerken und schließlich des Marketings, der Besuche der Galeristen, Kunstsammler und Journalisten bis hin zur Notwendigkeit der Buchhaltung und der Ausstellung der Plastiken in Galerien in anderen Ländern wird durch einfache Geschichten verständlich gemacht. Celia Winter-Irving stellt auch einzelne Künstler vor und führt in die verschiedenen Materialien ein.

Dieses erinnerte mich an meine eigene Kindheit. Ich verfolgte damals eine BBC-Serie von und mit John Berger, die Kinder in die moderne Kunst einführte. Damals lernte ich als zehnjähriger jeden Sonntag mehr über Picasso, Miro, Braque, Giacometti und andere, als ich erst viel später in der Schule lernen konnte.

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Celia Winter-Irving und ich im Lehmhüttendorf im Dortmunder Westfalenpark

Inzwischen ist die Übersetzung des Buches beendet und ich arbeite noch an letzten Illustrationen, die aquarellierte Tuschezeichnungen sind. Ich bemühe mich, zahlreiche tatsächlich Shona-Art-Plastiken in die Bilder einzubauen, so dass die Kinder einen Eindruck von der wunderbaren Kunst Tengenenges bekommen. Im Anhang erklärt ein kleines Lexikon mit Zeichnungen verschiedene Begriffe, wie z.B. die Steinsorten, aber auch die Arbeitsmaterialen wie Hammer und Meißel, die Lage Australiens und Afrikas und so weiter.

Derzeit suchen wir nach Tageszeitungen, die nach afrikanischen Vorbild einmal wöchentlcih ein Kapitel abdrucken, sowie nach einem Kinderbuchverlag, der „Soottie, der Kater in Tengenenge“ herausgibt.

In Kooperation mit Schulen bereiten wir gemeinsam während Celias Arbeitsaufenthalt Veranstaltungen für Schulen vor, in denen Soottie nicht nur kapitelweise vorgelesen wird, sondern auch Katzenmasken und Trommeln gebastelt werden, in denen Bilder gemalt werden können, Soottie Songs gesungen werden und Soottie-Tänze einstudiert werden können und vieles mehr.

Mehr über „Soottie“ auf der Homepage www.lop-lop.net/soottie und auf Celia Winter Irvings Homepage.

Ein aktuelle Artikel über Soottie im Harald aus Zimbabwe



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