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Kommunikationsmüll (1): Die SMS PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Bernhard Raestrup   
31.07.2008
Image Da haben wir Call Center geschaffen, das Internet, den Dosenpfand und die grüne Wiese. Aber kaum jemand kann wirklich telefonieren, E-Mails schreiben, Skype benutzen, SMS senden oder irgendetwas bei Google finden. Heraus kommt: Kommunikationsmüll. Und dieser persönliche Blog auf Diadiss soll das thematisieren.
Beginnen wir mit der SMS.

Für mich, als inzwischen der älteren Generation Angehörigen, ist SMS sowieso nur Qual, denn meine Tastatur-Schreibgeschwindigkeit ist trotz Zwei-Finger-System beachtlich, aber dafür habe ich ja eine breite Tastatur. Dagegen treibt mich diese Mini-Tastatur von Handys regelmäßig zum Wahnsinn – und ich versende daher keine SMS. Und das hat auch weitere Gründe.

Gerade erhielt ich eine SMS mit folgender Nachricht:

„Aktuelle Info: Die NDP steht gerade vor C & A. Weiterleiten!“

Was ist hier schief gelaufen? Die Telefonnummer ist mir nicht bekannt, antwortet auch nicht und ich frage mich, was sagt mir das alles?

Das könnte bedeuten, dass die New Democratic Party in Montreal einen Stand vor C & A aufgebaut hat. Da ich aber weiß, dass C & A nicht in Kanada vertreten ist, kann das ja nicht sein.

Dann eher die npd Group Inc aus den USA, die harmlose Marktforschung betreibt und daher durchaus auch vor einem europäischen C & A stehen könnte.

Aber die Frage ist ja eigentlich: Welcher C & A? Ich könnte mir jetzt denken, dass die Nachricht aus Bochum kommt, aber allein dort gibt es drei C & A. Oder vielleicht doch Essen? Oder schlug die Münchener Redaktion zu, und Eckart wollte mich warnen, heute nicht nach München zu fahren, und bei C & A einzukaufen, weil dort die NPD rumsteht?

Oder vielleicht alle C & As in der Republik? Hat die Jugendorganisation der NPD da möglicherweise etwas missverstanden? Ist das nur der Anfang? Erst C & A und dann H & M?

Was heißt überhaupt „rumstehen“? Vielleicht wollen die sich ja auch nur neu einkleiden?

Fragen über Fragen.

Und dann endet die SMS mit einem zackigen: „Weiterleiten!“ Vielleicht kommt die Nachricht von der NPD darselbst und sie will mich in eine braune Falle locken?

Wie auch immer. Seit über 30 Jahren ignoriere ich eh alles Geschreibsel, dass mit einem Ausrufezeichen endet (Mein Deutschlehrer nannte das immer den „Deutschen Arschtritt“) und es ist zu heiß, um jetzt alle möglichen umliegenden C & A – Filialen abzuklappern und nachzufragen, ob sie die NPD gesichtet haben.

Was aber ist die Ursache dieser fehlgeschlagenen Nachricht?

Zunächst natürlich das Verortungsproblem. Welcher C & A bzw. NPD in welchem Ort? Oder: Wer aus welchem Ort hat die Nachricht gesendet? Hier kommen wir schon zu einem Problem, dass aber erst mit dem Thema „Telefonieren“ vertieft wird – dass der Sender nicht darüber nachdenkt, wer der Empfänger ist und möglicherweise über ein – heutzutage normales – mobiles Medium kommuniziert – und eben nicht immer im Dorf ist. Das funktionierte noch bei Asterix und Obelix, heute aber nicht mehr.

Aber es kommt noch schlimmer: Der Egozentrismus, wahrscheinlich entstanden durch hektischen Aktionismus und fehlender Kommunikationsfähigkeit führt zu einer Kette von SMS, die im Rahmen einer Infokette weitergeleitet und weitergeleitet werden, ohne dass auch nur irgendjemanden auffiel, was für ein Unsinn da verbreitet wurde. Das beunruhigt noch mehr, weil viele Beteiligte sich dieser Fehlkommunikation anschlossen – und so vielen Menschen viel Arbeit aufhalsten, wenn sie ernsthaft gegen irgendeine NPD vor irgendeinem Warenhaus demonstrieren wollten.

Na ja, die Telekommunikationskonzerne haben heute wieder viel mit NPD und C & A verdient.